Hochzeitsfotos-Guide Kapitel 5

Was soll der Geiz?

Was kostet eigentlich so ein Hochzeitsfotograf? Tatsächlich habe ich eine Weile überlegt, wie man dieses Thema am besten angeht. Ich habe mich für die kurze und schmerzlose Version entschieden. Mit anderen Worten: You get, what you pay for.

Bei den diversen Abrechnungsmodellen und Preisangeboten gibt es wirklich große Unterschiede. Leider ist ein altes Abrechnungsmodell bei Fotografen und Fotostudios noch viel zu verbreitet. Ihr bezahlt einen Basispreis (zum Beispiel 500 Taler) und der Fotograf kommt dafür ein paar Stunden vorbei.

Im Anschluss erhaltet ihr 20-30 Bilder, fragwürdig bearbeitet, in kleiner Auflösung und mit einem Wasserzeichen geschützt. Ihr könnt mit den Bildern quasi nichts anfangen, außer sie euch mit einer Lupe anzuschauen.

Für jeden weiteren Abzug bezahlt ihr richtig viel Geld - von den freigegebenen digitalen Dateien mal ganz abgesehen. Im Endeffekt habt ihr keine Kostenkontrolle und bekommt für euer Geld, naja, sagen wir recht wenig.

Transparent, ohne Wenn und Aber

Um ehrlich zu sein: Ich hasse dieses Geschäftsmodell. Meine Meinung zu diesem Thema: seriöse und namhafte Fotografen haben einen festen Stundensatz oder ein festgelegtes Budget für eure Hochzeit. Transparent, ohne Wenn und Aber.

Genauso solltet ihr die Bilder digital oder auf Datenträger bekommen, ohne Wasserzeichen und in einer anständigen druckbaren Auflösung. Es sind eure Bilder.

You get, what you pay for – du bekommst, was du bezahlst

Die Preisschwankungen zwischen den einzelnen Fotografen sind riesig, hier geht es bei 300 Euro los und kann auch bei fünfstelligen Beträgen enden. Wenn euch jemand für 400 Euro eine 12 Stunden Hochzeitsreportage anbietet, kann das einfach nicht funktionieren. Jeder Ökonom würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Ein guter Fotograf kostet einfach Geld. Da gibt es kein Wenn und Aber.

Ihr erwerbt nicht nur die reine Dienstleistung an sich, ihr kauft ein Stück Kunst. Hochzeitspaaren ist oft der Umfang dieses Schaffensprozesses nicht bewusst.

Es ist nicht nur die reine Zeit am Hochzeitstag, die Vor- und Nachbereitung, die zahllosen langen Nächte in der digitalen Dunkelkammer oder die teilweise unfassbar teure Technik. Nein, der Fotokünstler legt ein Stück Seele in eure Bilder und erschafft etwas Einzigartiges.

Die Hochzeitsbilder sind die einzigen dauerhaften Erinnerungen an euren Hochzeitstag

Alles andere verblasst oder verblüht. Oft muss ich schmunzeln, wenn Hochzeitspaare viel Geld für Blumen, Deko oder eine Privatband einplanen – der Fotograf jedoch im Budget eher einer der kleineren Posten ist.

Glaubt mir bitte eine Sache: es gibt nichts Schlimmeres, als eine Braut, welche unglücklich mit ihren Hochzeitsfotos ist. Ich bekomme, gerade nach der Hochzeitssaison, die eine oder andere Anfrage für ein After Wedding Shooting.

Die Geschichten sind immer recht ähnlich. Jemand kannte jemanden, der jemanden kannte, der sich vor Kurzem eine Spiegelreflexkamera gekauft hat und sogar eine eigene Fotografen-Facebook Seite hat. Nennen wir ihn einfach Onkel Bob (Fotografen Insiderwitz). Leider war Onkel Bob mit seiner Kamera und den permanent wechselnden Lichtverhältnissen etwas überfordert. Die Fotos sehen zwar fragwürdig aus und sind nicht wirklich scharf...aber hey, es war ein gutes Angebot. Ich denke ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Hochzeitsfotografie ist die Königsklasse der Fotografie, besonders der Reportageteil. Als Fotograf hast du nur einen Versuch und brauchst Gespür und Erfahrung für die ständig wechselnden Umgebungsbedingungen.

Trefft euch mit dem potentiellen Wunschfotografen, besprecht alles in Ruhe und klärt die Rahmenbedingungen und das Leistungsspektrum. Auch wenn die Paketpreise vermutlich im ersten Moment kurz ein flaues Gefühl im Magen verursachen könnten, lasst es sacken und schlaft ein paar Nächte darüber.

Wenn euch unvergessliche Bilder wirklich wichtig sind, wird der Preis in Ordnung sein. Überlegt jedoch nicht zu lang, andere Paare fragen teilweise nicht nach dem Preis – sondern nur, ob ihr Wunschtermin noch frei ist und buchen.

Einfach weil sie genau diesen einen Fotografen haben wollen. Das könnte dann genau dein Tag sein. Vor ein paar Jahren hatte ich ein Hochzeitspärchen, welches die komplette Hochzeit verschoben hat, nur weil ich an ihrem Wunschtermin schon ausgebucht war. Denn auf mehreren Hochzeiten kann selbst ein Wolf nicht tanzen.